Eine kleine Zusammenfassung dessen, was Guatemala (man muss fairerweise sagen: ) unter anderem zu bieten hat. Nachdem wir uns in Livingston nicht so recht wohlfuehlten und von diversen Horrorstories ueber Tassen am Kopf abgeschreckt wurden
, blieben wir dort nur eine Nacht. Unser Hotel der Wahl war gewitzt und schlau, liess man auf neugekauften Matratzen doch gleich die Plastikverpackung dran und verlangte das dreifache des Preises. Wir waren noch unerfahren, was die Preise in Guatemala anging und das hohe Preisniveau in Belize gewoehnt, und liessen uns deswegen gleich richtig uebers Ohr hauen. Dem Plastik konnten wir mit unserem Messer zwar ein Ende machen (man schwitzt schweinisch darauf), der Preis liess sich jedoch, einmal bezahlt, nicht mehr aendern. Uns war gleich klar: in diesem Land muss man auf der Hut sein. Und das war dummerweise in der Tat so – nirgendwo anders wurden wir so haeufig belogen und beschissen wie in Guatemala.
Die Attraktionen Guatemalas konzentrieren sich hauptsaechlich auf das suedliche Gebirge mit zwei Ausnahmen im Norden: den Rio Dulce sowie die Ruinen von Tikal. An der Flussmuendung des Rio Dulce liegt auch Livingston, was ganz nebenbei in der Tat nur per Boot zu erreichen ist. Die Flussauffahrt des Rio Dulce war ein ganz nettes Erlebnis, es gab einige Stops, bei denen man zu Artesanialaeden (Kunsthandwerk) und einer in den Fluss muendenden heissen Schwefelquelle herausgelassen wurde. Nach diesen soweit ganz netten Erlebnissen beeilten wir uns um nach Tikal zu kommen. Die Ruinen von Tikal, die wir frueh morgens um 6 Uhr besuchten (was ein Aufstehen um 4:30 Uhr noetig machte), waren in der Tat recht imposant. Die Tempel waren ausserst steil und schwierig zu erklimmen. Die Guatemalteken haben dabei in vermeintlicher Hilfestellung eine Holzleiter neben einem dieser Steilen Tempel aufgebaut, bei der man 60 m in beinahe senkrechte Hoehe aufsteigen musste – in Deutschland und fuer Hoehenkranke absolut nicht machbar. Aber eben ein kleiner Hauch von Abenteuer… Nachdem wir in Tikal von einem tropischen Regen auf dem falschen Fuss erwischt wurden, kamen wir wieder klatschnass in Flores (von wo aus man meist nach Tikal startet) an. Das schlechte Wetter sollte uns eine Weile verfolgen. Anschliessend brachen wir zusammen mit Burkhardt und Esther, einem deutschen Filmcutter aus Koeln und einer ebenfalls deutschen Webdesignerin aus Barcelona zu den Grotten von Lanquin auf. Die Busfahrt von Flores zum Umstieg nach Coban war vermutlich die grauenhafteste, die ich bisher je erlebt habe – zusammengequetscht in einem viel zu kleinen Bus, schafften es viele Kinder nicht, auf der kurvigen Strecke ihren Mageninhalt beisammen zu halten; wir wurden Zeugen eines wahren Kotzspektakels. Auch nach dem Umstieg verbesserte sich unsere Situation nicht erheblich. Die maximale “Befuellbarkeit” von Fahrzeugen wird in Guatemala naemlich immer auf das Dreifache ausgereizt, bis man sich fuehlt wie in einem Viehtransport. Ein weiteres, pikantes Detail hierbei ist, dass man als Tourist fuer eine Pobacke Sitzflaeche dennoch weit ueber den doppelten Preis zahlen musste. Dies waren so einige Dinge, die mir die anfaengliche Zeit in Guatemala ganz schoen vermiessten und mich das ruhige, weitflaechige Belize vermissen liessen.
Der Weg zu den Grotten von Lanquin hat sich dennoch gelohnt, haben wir in den Grotten doch eine schoene, ungesicherte (!) Tropfsteinhoehle gefunden. Und als kleines grosses Schmankerl durften wir abends noch erleben, wie sich Tausende Fledermaeuse ueber, unter, neben und zwischen uns aus dem engen Hoehleneingang herauszwaengten. Ein wirklich irres Gefuehl. Am naechsten Tag besichtigten wir zudem noch Semuc Champey, einen Bergfluss, der auf einem Teil seines Weges unter einer natuerlichen Kalksteinbruecke in die Erde verschwindet, und obendrauf klasklare, tuerkisblaue Lagunen hinterlaesst. Man konnte dort schoen schwimmen und zu einem hoch gelegenen, aber echt lohnenswerten Aussichtspunkt wandern. Da an den folgenden beiden Tagen Silvester und Neujahr waren, mussten wir noch zwei weitere Tage in Lanquin ausharren – bevor wir endlich nach Antigua aufbrechen konnten. Das Wetter war mittlerweile in Dauerregen umgeschlagen, und so waren wir froh, die bergige Region verlassen zu koennen. Allerdings tauschten wir diesen Regen gegen 7-8 Grad Celsius in Antigua ein. Wahrhaft frostig, und das in einer Umgebung, die nicht annaehernd auf kaltes Wetter eingerichtet ist. Ich persoenlich fror mir mit meinen zwei duennen Pullovern den Arsch ab – ein noch kaelteres Deutschland mit Winterjacke waere mir da echt lieber gewesen. Der Wettergott zeigte sich jedoch gnaedig und sandte uns nach zwei Tagen auch wieder schoeneres und vorallem klares Wetter, was uns wunderschoene Aussichten auf vom Frost ueberzogene Vulkanspitzen ermoeglichte. Wir verblieben wegen unseres Sprachkurses eine Woche in Antigua, einer Stadt, die mit dem gewoehnlichen Guatemala so gar nichts gemein hat. Eine schoene Stadt mit schoenen Haeusern und einer voellig touristischen, aber dafuer angenehmen Infrastruktur. Waehrend unserer Zeit dort erlebten wir tatsaechlich fuenf (!) Erdbeben. Eine Zahl, bei denen es den Einheimischen auch sehr mulmig wurde, ist die Stadt schliesslich schon seit 23 Jahren von keinem groesseren Erdbeben mehr heimgesucht worden. Normalerweise gibt es naemlich alle 11 Jahre ein mittelschweres Beben – Antigua wurde in seiner Geschichte auch schon zweimal komplett zerstoert. Luis, der Vater unserer Gastfamilie war deswegen auf dieses Thema ueberhaupt nicht gut zu sprechen. Eine manchmal schwierige Situation, waren Erdbeben fuer uns ja eher aufregend, denn existenzbedrohend. Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand ist in Antigua aber seither nichts mehr passiert und die Gegend hat sich tektonisch beruhigt. Mir draengte sich der Gedanke naemlich schon auf, dass es sich bei diesen 5 Beben um kleine Vorbeben handelte. Das Epizentrum befand sich bei Quetzaltenango und damit genau auf unserer Reiseroute. Ein klein wenig mulmig war uns dann schon. Jedoch konnten wir ohne Probleme den schoenen Lago Atitlan besichtigen und in den lokalen Artesanialaeden kraeftig einkaufen. Quetzaltenango war leider keine besonders lohnende Erfahrung, aber es gab einige heisse Quellen in der Naehe, von denen wir auch eine besuchten. Die Quelle lag nahe des Gipfels eines Berges und war damit komplett in den Wolken. Die Sicht ging zum Teil auf drei Meter runter, was ein witziges Gefuehl war. Ich war dennoch sehr froh, die eiskalte Region um Quetzaltenango zu verlassen. Wir fuhren dann schliesslich mit einer Nacht Zwischenstopp in Antigua nach Copan, Honduras. Die dortigen Ruinen nahmen wir an einem Tag mit und schafften es noch bis an die Karibikkueste, und hatten damit eine ganz schoen beeindruckende Strecke hinter uns gebracht. Doch davon erzaehlt euch gerne Hannah noch mehr.
Entschuldigt bitte die Verspaetung dieses Nachtrages!
Euer Sebastian