Ein weiterer Teil unserer dringend nötigen Nachtragsreihe…
Nachdem wir Calakmul und damit auch Mexiko einigermaßen ruinensatt verlassen haben, wandten wir uns einem kleinen Staat zu, von dem wir bisher keine rechte Vorstellung hatten: Belize. Kaum einem bekannt, höchstens durch die Tatsache, dass Belize das einzige lateinamerikanische Land ist, in dem kein spanisch, sondern englisch gesprochen wird.
Zuerst wurden wir erfolgreich und undurchsucht über den Zoll gelotst und waren schon ein wenig erstaunt, dass das Land direkt hinter der Grenze anders aussah.
Es war deutlich zu sehen, dass die Belizianer mehr in die Pflege in ihrer Grundstücke investieren, der Rasen war grün und gemäht und die auf Stelzen stehenden Häuser waren zwar nicht völlig intakt, wurden aber wenigstens gepflegt.
Während der Busfahrt in die Hauptstadt des Landes bekam Hannah noch einen Tukan zu sehen – immerhin. Belize City genießt einen international schlechten Ruf, als kriminell, touristenfeindlich und nicht hübsch. Bis auf das letzte Attribut kann ich jedoch nichts von alledem bestätigen. Es war nämlich eine Wohltat, mit allen Leuten auf englisch parlieren zu können, auch wenn manche, wie z.B. unser Taxifahrer einen bemerkenswert starken Bronx-Akzent aufwiesen und daher kaum zu verstehen waren. Er hat aber wenigstens uns verstanden (Yeah, man!). Glücklicherweise gab es noch am selben Abend ein Wassertaxi auf Caye Caulker (wie Key Corker gesprochen – kreolisch), das uns in der Dunkelheit auf die Insel verschiffte. Mir fiel gleich bei Ankunft das klare Wasser auf – wir waren halt in der echten Karibik! Die lustige, kleine Insel hatte Straßen aus Sand, Häuser auf Stelzen und keine Autos, lediglich ein paar Golfkarts und viele Fahrräder. Die Bevölkerung war, abgesehen von den vielen Touristen, rein dunkelhäutig, gesprenkelt mit einigen Chinesen. Wir fanden eine ganz annehmbare Unterkunft und gingen erstmal in einem uns empfohlenen Chinarestaurant essen – endlich mal was komplett anderes. Das Essen war zwar nicht so gut wie beim Onkel Wok, war aber trotzdem lecker. Der Ortsfaktor eben.
Am kommenden Morgen nahmen wir ein nicht ganz so gutes Frühstück ein, bei dem wir uns mit dem kindischen Kellner des Restaurants anlegten. Er war nämlich der Meinung, in Milch könne nocheinmal die doppelte Menge Wasser geschüttet werden, ohne dass der Begriff Milch “verwässert” wird. Scheint so, dass in Belize der Begriff Schokoladenmilch anders gehandhabt wird; jedenfalls hüteten wir uns in Zukunft, nocheinmal (berechtigte) Kritik am Essen zu äußern.
Ingesamt wurden wir von Caye Caulker ein bißchen enttäuscht, die Insel hatte nämlich keinen richtigen Strand. Am Nordende der Insel gab es einen alten, zerstörten Betonpier, auf dem sich die Touristen räkelten und da wir diesen Tag nichts anderes zu tun hatten, gesellten wir uns eben zähneknirschend dazu. Wir nahmen uns also vor, am folgenden Tag einen Ausflug zum berühmten “Blue Hole” zu machen und dann wieder abzureisen, um richtige Strände zu suchen. Wir buchten also eine schweineteure Tour, und brachten schonmal unser Equipment (Hannah zum Tauchen, ich zum Schnorcheln) auf unser Boot. Da der Ausflug um 5:30 morgens startete, gingen wir auch reichlich früh zu Bett.#
Am nächsten Morgen quälten wir uns aus dem Bett und fanden uns pünktlich zu einem kleinen Frühstück ein und brachen auf. Das Blue Hole (ich beschreibe später, was es ist) liegt ungefähr 72 km weiter in der Karibik (grobe Richtung Jamaika) im sogenannten Lighthouse Reef; seinen Namen verdient es durch den auf der Insel Half-Moon Caye stehenden Leuchtturm. Dort angekommen, erwartete uns ein bemerkenswertes Farbenspektakel im Wasser – das Blue Hole, eine eingestürzte Höhle (sogenannte Zenote) in der Kalksteinplatte Yucatans, war tiefblau, während das umliegende Riff das Wasser sanft türkis färbte. Nach einem kurzen Briefing ging es für die vor Aufregung zitternde Hannah los mit einem Tauchgang in 42 m Tiefe. Ganz so tief war es für mich nicht, ich konnte allenfalls 4 m tauchen, bis mir die Luft ausgegangen ist. Ich musste leider aufgrund mangelnden Tauchscheins schnorcheln. Nach 30 interessanten Minuten im Wasser war es auch an der Zeit, aufs Boot zurückzukehren, denn das Wasser war gar nicht so warm, wie ich mir das vorgestellt habe. Das Blue Hole ist zum Schnorcheln leider nicht besonders interessant, weil sich die Fischvielfalt in Grenzen hält und die Aussicht auf die tiefen Ränder des Blue Holes zwar spektakulär ist, aber vom Boot aus noch imposanter ist. Hannah indess kehrte ganz begeistert zurück, schließlich hatte sie das Glück, echte karibische Haie und Muränen zu sehen. Nach diesem Tauchgang fuhr das Boot weiter zur Insel Half-Moon Caye, wo wir Schnorchler am Strand rausgeschmissen wurden und die Taucher wieder in tieferes Wasser fuhren. Nun schnorchelten wir eine halbe Stunde im warmen Oberflächenwasser und sahen auch gleich viel interessantere Dinge: bunte Fische, Barrakudas und einen Rochen. Ich hatte zudem das Glück, einen schönen, aber gefährlichen Fisch zu entdecken, den sogenannten Scorpion Fish. Mein Führer erklärte mir, dass dieser Fisch aggressiv und hochgiftig ist – also war ich froh, diesen im Gegensatz zu manchen Flundern nicht durch die Gegend gejagt zu haben. Anschließend blieben wir gleich auf der Insel um unser Lunch einzunehmen – Hannah wiederrum hatte mittlerweile noch mehr Grund für Enthusiasmus, hatte sie doch eine echte, lebende und schwimmende Meeresschildkröte gesehen. Ich kenne einen kleinen Bruder, der da schwer neidisch wäre…
Nach dem Lunch besuchten wir noch das Vogelobservatorium der Insel, eine kleine Plattform über den Baumkronen, die eine spektakuläre Aussicht bot: in den Bäumen nisteten zwei Arten von Seevögeln. Die einen eine weiße Möwenart, sehr bekannt und benannt nach ihren leuchtend roten Füßen. Die anderen waren ebenfalls eine Möwenart, jedoch braun und die Männchen dieser Gattung verfügen über einen großen, leuchtend roten Kehlsack, den sie zum Balzen aufblasen und mit knarrenden Lauten wieder entleeren. Bestimmt seht ihr sie auf einigen der Bilder in meinem Picasa-Account.
Anschließend gab es noch einen schönen Abschlusstauchgang für Hannah; mein Schnorchelführer hatte sich jedoch unheimlich schwer am Fuß verletzt (er war der Amputation und dem Tode nahe) und konnte daher keinen letzten Schnorchelgang mehr führen. Immerhin fütterte er mit Orangen eine riesige Menge relativ großer, harmloser Fische an, mit der wir Schnorchler dann um das Boot unseren Spaß haben konnten; oder sie eben ignorierten. Ich habe es mir zur Aufgabe genommen, einen solchen Fisch zu fangen, scheiterte jedoch gnadenlos.
Anschließend kehrten wir wieder auf Caye Caulker zurück und hatten damit bestimmt den kurzweiligsten und spannendsten Tag unserer Reise hinter uns. Er hat eine Menge Geld gekostet, aber das war es wirklich wert – für mich nocheinmal eine Gelegenheit, mich bei Hannah für das Geburtstagsgeschenk zu bedanken!
Am nächsten Tag verließen wir Caye Caulker in Richtung Placencia, eine kleine, sehr lange Halbinsel parallel zur Küstenlinie im Süden Belizes, dort sollte es nämlich die schönsten Strände in Belize geben. Während der Fahrt fiel uns auf, dass die Landschaft in Belize schöner und beeindruckender ist, als in Mexiko.
Nach einer langen Sammeltaxifahrt mit einem Platten auf einer echt armseligen Straße kamen wir glücklicherweise auch noch akzeptabel früh an, fanden eine echt hübsche und nette Unterkunft. Die folgenden Tage in Placencia waren die Weihnachtsfeiertage und wir hätten unseren Aufenthaltsort nicht besser wählen können – der Strand war schön, das Dorf touristisch genug, um eine ansprechende Bar- und Restaurantinfrastruktur aufzuweisen, aber weit davon entfernt, überfüllt zu sein. Wir hatten sogar den Luxus, am Strand nach rechts und links je 20 m Platz bis zu den nächsten Personen zu haben. Nachdem wir das beste Restaurant dummerweise am Weihnachtsvortag schon verpulvert hatten, konnten wir an Weihnachten nur noch teuer, aber leider nicht besonders gut essen gehen. Das war aber insgesamt nicht weiter schlimm, denn mir gefiel es in diesem relaxten Ambiente ausgesprochen gut. So habe ich mir immer Jamaika vorgestellt: viel Reggae, Sonne, Strand, lockere und lustige Menschen. Nach vier gemütlichen Tagen juckte es uns aber wieder ein bißchen in den Füßen und wir brachen auf, um die Grenze nach Guatemala mit dem Boot zu überqueren. Ein Wassertaxi fährt nämlich von Punta Gorda in Belize nach Puerto Barrios in Guatemala. Dort angekommen, sahen wir uns einem abrupten Kulturwechsel ins Negative ausgesetzt: statt Ruhe Lärm, statt Reggae die fürchterliche Trompeten- und Schmalzmusik, die die älteren Latinos so lieben. Von Puerto Barrios gingen wir direkt nach dem Zoll weiter ins benachbarte Livingston, das nur per Boot zu erreichen ist. Livingston ist der einzig annehmbare karibische Küstenstreifen in Guatemala und ist deshalb touristisch erschlossen. Hat man aber einmal Belize gesehen, findet man das dort gebotene aber sehr ärmlich…
Belize war für mich jedenfalls die positive Überraschung unserer bisherigen Reise und lohnt sich vieel mehr als Mexiko. Besondere, kulturelle Erfahrungen kann man dort aber nicht machen, dem Land fehlt das Kulturbewusstsein. Man merkt eben, dass es in Belize kein eigenes, sondern nur amerikanisches Fernsehen gibt.
Soviel von mir an dieser Stelle, ein andermal gehts weiter, mit dem Rest aus Guatemala!
Liebe Grüße nach Hause,
Sebastian